Schule ist ein Ort, an dem täglich sichtbar wird, wer sich zugehörig fühlen kann und wer durch Sprüche, Erwartungen und Rollenbilder ausgegrenzt oder verunsichert wird. Queere Bildungsarbeit setzt hier an: Sie baut Unwissen und Vorurteile ab, macht queere Lebensrealitäten sichtbarer und schafft einen Rahmen, in dem Jugendliche respektvoll miteinander ins Gespräch kommen können.
Das Projekt Bildung des LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg besucht Berliner Schulen ab Klasse 7 und bietet Workshops an, die sensibilisieren und durch den direkten Kontakt zu den queeren Workshopleitenden gewaltpräventiv wirken können und junge queere Menschen ermutigen.
So ist ein Workshop aufgebaut
Im Workshop arbeiten wir mit einer offenen Fehlerkultur. Unser Ziel ist es, einen unvoreingenommenen und angenehmen Raum zu schaffen, in dem die Teilnehmenden ihre eigene Haltung offen und trotzdem respektvoll diskutieren und reflektieren. Der Ablauf ist klar strukturiert, doch der Workshop wird immer an die individuellen Klassen angepasst.
Ein maßgebendes Element ist die biografische Perspektive der Workshopleitenden: Jugendliche erleben keine „anonyme“ Wissensvermittlung, sondern echte Personen, die zeigen, dass queere Lebensrealitäten vielfältig sind und zu unserer Gesellschaft dazugehören. Wir schaffen einen Raum für Fragen, die sonst aus Unsicherheit oder Scham nicht gestellt werden.
Zentrale Inhalte
Haltung reflektieren
Ein wichtiger Teil des Workshops ist die Reflektion der eigenen Haltung. Wir laden die Teilnehmenden ein, sich zu Themen wie Diskriminierung und Gleichberechtigung zu positionieren und schaffen durch einen moderierten Austausch ein Verständnis für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, und vermitteln gleichzeitig eine Sensibilität für das Recht der Selbstbestimmung.
Geschlechtliche Vielfalt differenziert vermitteln
Darauf aufbauend arbeiten wir mit queeren Biografien und lernen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt auf mehreren Ebenen kennen. Begriffe werden nicht zum Auswendiglernen abgefragt, sondern gemeinsam erarbeitet und eingeordnet, sodass ein grundlegendes Verständnis entsteht, das im Schulalltag anschlussfähig bleibt.
Alltagsnahe Perspektiven
Damit das Thema nicht abstrakt bleibt, sind in den meisten Workshops lebensweltbezogenen Gruppenarbeiten ein wichtiger Bestandteil. Dabei geht es zum Beispiel um Musik und Rap, um Sprache und Wirkung, um Antidiskriminierung im Sport oder um Mikroaggressionen im Alltag. Mikroaggressionen sind abwertende oder ausgrenzende Bemerkungen und Handlungen, die oft „nebenbei“ passieren, aber Wirkung entfalten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Abwertung funktioniert, wie sie sich verbreitet und welche Handlungsmöglichkeiten im eigenen Umfeld realistisch sind.
Einen geschützten Raum für offene Fragen schaffen
Ein wichtiger Abschlussbaustein ist die anonyme Fragenbox. Hier können Schüler*innen aufschreiben, was sie sich sonst nicht trauen zu fragen – etwa aus Unsicherheit, Scham oder Angst vor Reaktionen in der Klasse. Die Anonymität ermöglicht, dass auch unausgesprochene Themen angesprochen werden.
Grundsätzlich werden alle Fragen aufgegriffen und so beantwortet, dass sie für die jeweilige Altersgruppe verständlich sind. Dabei geht es nicht darum, Fragen zu bewerten, sondern sie einzuordnen. Auch provokante oder offensichtlich falsch informierte Fragen werden nicht einfach abgetan, sondern genutzt, um Missverständnisse zu klären und Hintergründe nachvollziehbar zu machen.
Was Workshops anstoßen können
Durch einen Workshop entsteht selten sofort Klarheit. Manchmal gibt es danach mehr Fragen als vorher, was auch daran liegen kann, dass sich Perspektiven verändern und das Interesse und auch dieGesprächsbereitschaft sich erhöhen. Für queere Schüler*innen kann der Fokus auf geschlechtliche und sexuelle Vielfalt eine Entlastung bedeuten, weil ihre Lebensrealität im Klassenzimmer nicht als Ausnahme behandelt wird.
Wenn queerfeindliche Narrative lauter werden, kann queere Bildungsarbeit im Schulalltag Prävention und Demokratieförderung unterstützen – und das Klassenklima stärken.
Kontakt & Anfrage
Informationen zum Angebot und zur Anfrage finden sich auf der Website des LSVD Berlin Brandenburg im Abschnitt Fachbereiche „Bildung und Jugend“. Ansprechpartner*innen im Projekt Bildung sind Noah Heckhoff (er/ihn) und Kaya Prantl (alle Pronomen). Sie sind unter bildung@lsvd.berlin erreichbar.