19. Juni 2026 | Bildung

Sommer, Sonne, QueerZ – das queerste Jugendfestival Berlins war ein voller Erfolg!

Bei bestem Wetter hat am 30.Mai in Neukölln das queere Jugendfestival QueerZ – Open Air Edition – zum 13. Mal stattgefunden. Das zweimal jährlich stattfindende Festival wird vom LSVD Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg e.V. in Kooperation mit verschiedenen queeren Jungendeinrichtungen und weiteren pädagogischen Angeboten in Neukölln organisiert. Auf dem Gelände der JFE Lessinghöhe kamen 150 Queers & Friends zwischen 14 – 21 Jahren zusammen. Es gab Workshops, Infostände, Beratungsangebote und am Abend eine Show. 

Workshops 

In sechs Workshops konnten die Jugendlichen kreativ werden, sich austoben und Neues lernen. Viele der Workshops hatten einen Fokus auf trans*, inter und nichtbinäre Personen. Misi vom trans* Fabrication Projekt hat im Nähen 1×1 Workshop den Teilnehmenden eine Einführung in die Welt der geschlechts-bestätigenden Kleidung und in die Grundlagen des Nähens gegeben. In dem Workshop Support your back – Bewegung für Queers, die Binder tragen haben Noah und Niklas von Seitenwechsel Übungen geteilt, die den Rücken lockern und das Körpergefühl verbessern und besonders wertvoll sind, wenn man Binder trägt. Auch bei ihrem Workshop Starke Queers – move & connect ging es um Bewegung. Beim Bannermalen Workshop von Queer Durch Berlin konnten die Jugendlichen politische Kunst ausprobieren – perfektes Timing, um sich für den Pride Month vorzubereiten. Kreativ werden konnte man auch bei dem Portrait-Fotografie Workshop des Medienkompetenzzentrums Neukölln. Sie hatten ein betreutes, professionelles Studio dabei, das die Jugendlichen für Fotoshootings reservieren konnten. Bei einem Austausch im Rahmen eines Forschungsprojekts von Youthwork der Berliner Aidshilfe konnten die Besuchenden außerdem über ihre Wünsche und Gedanken bezüglich sexualpädagogischen Schulunterrichtes diskutieren. 

Infostände & Beratung 

Auf dem Markt der Möglichkeiten unter freiem Himmel gab es 20 Stände diverser Organisationen im Bereich der queeren Jugendarbeit. Es waren queere Jugendzentren aus ganz Berlin vertreten, die Informationen und schöne Aktivitäten wie Glücksrad, Dosenwerfen oder Stoffbeutel zum Bemalen mitgebracht haben. Eine Peergruppe von Jugendlichen hat an einem eigenen Stand selbstgemachte Sticker verteilt. Außerdem gab es verschieden pädagogische Angebote: Die Inter*-Trans*Beratung und Sidekicks von der Schwulenberatung boten eine Sensibilisierung zum Thema Substanzkonsum anund Food for Thought stellte ein queeres pädagogisches Computerspiel für Jugendliche vor. 

Den ganzen Nachmittag gab es zeitgleich eine Beratung zu Kleidung, die Dysphorie erleichtert und eine Ausgabe von genau solchen gespendeten gender-affirming Produkten. Das Angebot wurde von den Teilnehmenden sehr gut angenommen. Die hohe Nachfrage hat gezeigt, dass gender-affirming Produkte für viele Festivalbesucher*innen wichtig sind. 

Show 

Der Showabend wurde mit einer ausgiebigen Karaokesession eingeleitet, die wie immer sehr gut besucht war. Durch den Abend geleitet wurden wir von Alexander Cameltoe, einem der legendären Dragkings Berlins, der sich, wie er sagt, irgendwo zwischen Adel und Drecksack, humanoidem Roboter und pilzartigem Alien bewegt und bei jedem Auftritt eine neue Geschichte zum Leben erweckt. Seine Moderation der Show war grandios, zusätzlich bot er eine eigene Performance dar. Den mitreißenden Auftakt der Show machte MC DRA. Sie rappt auf portugiesisch und deutsch und empowert mit feministischen und solidarischen Texten marginalisierte Menschen. Den krönenden Abschluss machte der Berlin Ballroom Pier mit einer beeindruckenden Ballroom-Showcase. Fünf junge Performer*innen des Kollektivs gaben einen Einblick in die extravagante Ballroom-Kultur – eine queere Subkultur, die in New York von Schwarzen und latinx trans* Frauen ins Leben gerufen wurde und ein Ort des Selbstausdruckes und der Gemeinschaft für marginalisierte queere Personen darstellt. 

Die QueerZ hätte nicht stattfinden können ohne die wundervolle Zusammenarbeit mit anderen queeren Jugendeinrichtungen und vielen helfenden Händen. Ein großer Dank gilt insbesondere den Beschäftigten der Lessinghöhe, auf deren Gelände wir die QueerZ ausrichten durften und die auch vor Ort eine große Unterstützung waren. Außerdem bedanken wir uns herzlich beim MaDonna Mädchentreff, dem Q*ube und Q*topia, die sich um die Verpflegung kümmerten und leckeres Chili Sin Carne und Nudelsalat für alle kochten. Und natürlich ein Riesendank an all die Personen und Organisationen, die Workshops geleitet, Infostände betreut, Awareness gemacht, Technik organisert, die Show geschmissen und tatkräftig und ehrenamtlich unterstützt haben – und an die vielen Besuchenden, die die QueerZ zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.  

Der ganze Festivaltag war wieder wunderschön! Die Jugendlichen hatten großen Spaß, haben Neues gelernt und viel ausprobiert. Sie trauten sich beim Karaoke auf die Bühne, konnten ihre Hobbies wie Nähen, Cosplay und Fotografie gemeinsam mit anderen erleben und nahmen diverse Beratungsangebote an. Der Tag zeigte wieder einmal, wie wichtig es ist, dass es Räume gibt, in denen Queerness gefeiert wird, in denen Jugendliche sich frei fühlen, ausprobieren und Zugehörigkeit finden können. Denn genau das sind die besten Gegenmittel gegen die gesellschaftliche Isolation, von der viele queere Jugendliche betroffen sind: Selbstermächtigung, Unterstützung und Gemeinschaft.